Was eine Fortführungsprognose rechnet
Eine Fortführungsprognose ist eine Liquiditätsplanung mit Nachweisen. Sie beginnt mit dem Bestand an einem Stichtag, plant die Ein- und Auszahlungen Monat für Monat und zeigt, ob in einem Monat eine Lücke entsteht. Die Bausteine stehen hier Schritt für Schritt; die Zahlen des Beispiels auf der Übersicht werden unten in Monatszeilen ausgeführt.
Die Bausteine
Stichtag und Liquiditätsstatus
Alles beginnt an einem Tag: dem Tag, auf den sich die Frage bezieht. An diesem Tag wird gezählt, was bereitsteht, also Guthaben und freie Kreditlinien, und was fällig ist. Der Status zeigt, ob die GmbH heute zahlen kann; die Planung beginnt mit seinem Ergebnis.
Planung der Ein- und Auszahlungen
Geplant werden Zahlungen, nicht Umsätze und Kosten. Eine Rechnung zählt in dem Monat, in dem das Geld kommt oder geht, nicht in dem Monat, in dem sie geschrieben wird. Darum gehören Zahlungsziele der Kunden, Fälligkeiten von Steuern, Löhnen und Tilgungen und die Reihenfolge der Zahlungen innerhalb eines Monats in die Planung. Ein Jahr, das insgesamt ausgeglichen endet, kann in einem einzelnen Monat eine Lücke haben.
Annahmen und was als belegt gilt
Umsatz, Zahlungsziele und Kosten werden an der Vergangenheit geprüft: Was ist im letzten Jahr tatsächlich eingegangen, und wann? Eine Annahme, die von der Vergangenheit abweicht, braucht einen Grund, etwa einen neuen Auftrag oder eine gekündigte Miete. Eine Maßnahme zählt erst, wenn sie belegt ist: die schriftliche Zusage der Bank oder des Gesellschafters, der unterschriebene Vertrag, die Bestätigung des Gläubigers. Eine Absicht ohne Nachweis bleibt außerhalb der Rechnung.
Detailtiefe und Gegenprobe
In aller Regel wird monatlich geplant; wird es eng, wöchentlich, weil dann der Tag der Zahlung entscheidet. Zur Prognose gehört die Gegenprobe mit vorsichtigeren Annahmen: Was geschieht, wenn der Kunde später zahlt oder der Umsatz niedriger ausfällt? Trägt die Fortführung auch dann, ist das Ergebnis belastbar; kippt sie, zeigt die Gegenprobe, woran es hängt.
Dokumentation
Stichtag, Annahmen, Nachweise, Rechenweg und Ergebnis stehen so in der Ausarbeitung, dass ein Dritter sie mit denselben Unterlagen wiederholen kann. Daran messen Bank oder Rechtsanwalt die Prognose in aller Regel.
Das Beispiel in Monatszeilen
Alle Zahlen sind frei gewählt und gerundet; sie beschreiben kein tatsächliches Unternehmen. Es ist dieselbe Handels-GmbH wie auf der Übersicht: am Stichtag 1. Januar Guthaben 40.000 Euro und freie Kreditlinie 60.000 Euro, verfügbar 100.000 Euro; Beispielzeitraum zwölf Monate. Die Quartalszeilen der Übersicht lösen sich hier in Monate auf; die Lücke im fünften Monat wird sichtbar.
Ohne Maßnahme (Beispiel)
Monat 1: Einzahlungen 200.000 Euro, Auszahlungen 230.000 Euro, Bestand am Ende 70.000 Euro.
Monat 2: 200.000 gegen 230.000 Euro, Bestand 40.000 Euro.
Monat 3: 200.000 gegen 220.000 Euro, Bestand 20.000 Euro.
Monat 4: 200.000 gegen 200.000 Euro, Bestand 20.000 Euro.
Monat 5: 200.000 gegen 280.000 Euro, darunter Steuernachzahlung und Tilgung; Bestand minus 60.000 Euro.
Monat 6: 220.000 gegen 220.000 Euro, Bestand minus 60.000 Euro.
Monate 7 bis 9: je 240.000 gegen 220.000 Euro, Bestand minus 40.000, minus 20.000, dann 0 Euro.
Monate 10 bis 12: 250.000, 250.000 und 260.000 gegen 230.000, 230.000 und 220.000 Euro, Bestand 20.000, 40.000, dann 80.000 Euro.
Lücke ab dem fünften Monat, tiefster Stand minus 60.000 Euro, erst im neunten Monat ausgeglichen. Die Prognose fällt im Beispiel negativ aus, obwohl das Jahr mit 80.000 Euro endet.
Mit belegtem Darlehen (Beispiel)
Ein Gesellschafter sagt schriftlich ein Darlehen von 100.000 Euro zu, Auszahlung im vierten Monat, Rückzahlung nicht vor Ablauf des Planjahres.
Monate 1 bis 3: wie links, Bestand 70.000, 40.000, dann 20.000 Euro.
Monat 4: 200.000 plus 100.000 Darlehen gegen 200.000 Euro, Bestand 120.000 Euro.
Monat 5: 200.000 gegen 280.000 Euro, Bestand 40.000 Euro.
Monat 6: 220.000 gegen 220.000 Euro, Bestand 40.000 Euro.
Monate 7 bis 9: Bestand 60.000, 80.000, dann 100.000 Euro.
Monate 10 bis 12: Bestand 120.000, 140.000, dann 180.000 Euro.
Tiefpunkt des Jahres: 20.000 Euro am Ende des dritten Monats. In keinem Monat eine Lücke; die Prognose fällt im Beispiel positiv aus, weil die Zusage vorliegt.
Beide Spalten rechnen mit denselben Ein- und Auszahlungen. Der Unterschied liegt allein in der belegten Zusage und in ihrem Zeitpunkt: Käme das Darlehen erst im sechsten Monat, bliebe die Lücke im fünften bestehen. Innerhalb eines Monats kann es zudem auf die Reihenfolge der Zahlungen ankommen; im Auftrag planen wir dort, wo es eng wird, auf den Tag der Fälligkeit. Das Ergebnis hängt in jedem Fall von den Umständen des Einzelfalls ab, und die Pflichten der Geschäftsführung bleiben bestehen, auch bei positiver Prognose.
Die Gegenprobe
Bevor Sie eine Prognose weitergeben, prüfen Sie:
- Beginnt die Planung am Stichtag mit dem tatsächlichen Bestand, nicht mit einem Planwert?
- Sind die Zahlungsziele der Kunden aus der Vergangenheit abgeleitet oder nur angenommen?
- Liegt für jede Maßnahme, auf der das Ergebnis ruht, ein Nachweis vor?
- Zeigt die Ausarbeitung, was bei vorsichtigeren Annahmen geschieht?
Weiterlesen und Anfrage
Den Rahmen beschreibt die Übersicht Fortführungsprognose; die drei Lagen erklärt die Seite Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit. Schreiben Sie an office@eu-treuhand.de; Ihr persönlicher Ansprechpartner meldet sich.